Sonntag, November 05, 2006

BioBräuche

DiePresse aus Österreich berichtet: Dilettantismus bei der BIO-Kennzeichnung aufgetaucht. Oha - wie schrecklich! Bio-Hirse wurde im selben Betrieb verarbeitet wie normale Hirse - die beiden hätten ja theoretisch freundschaft schliessen können!

Aber im Ernst - in Österreich ist das Biosiegel ein sehr starkes Verkaufsargument und nicht nur bei erklärten Veganern und Vegetariern heiß begehrt. Was sich jedoch hinter dem vermeintlichen BIO-Futter verbirgt läßt mir teilweise die Haare zuberge stehen.

Beispiel Anker:

Der Tiefkühlindustriebäcker - aus dessen Fabrik mir zugetragen wurde: "Wer da einmal gewesen ist, der kauft kein Ankerbrot mehr" - hat inzwischen auch Bio-Brot im Angebot. Deutlich teurer, versteht sich. Und ohne Frage wurden für das Bio-Brot von "Anker-Frisch" sicher auch echtes Biogetreide verwendet. Verarbeitet wurde das Produkt jedoch auf herkömmlich hochindustrialisierte Art und Weise mit Farbstoffen, Konservierungsstoffen und Verdickungsmitteln. Ausserdem lagert es tiefgekühlt und harrt dem Frischemoment des Aufbackens... wird später mit einem Biosiegel als reines Bioprodukt verkauft. Was zählt denn nun eigentlich?

Darf es denn sein, dass zum Beispiel nur BIO-Natriumglutamat verwendet wird? Was sagt uns das BIO-Siegel aus? Ja wohl, dass das Endprodukt der eigentlichen, ursprünglichen Idee von dem entspricht, was wir uns darunter vorstellen: Bei Brot wäre das Natursauerteig, lange Reifezeit ohne Beschleunigungsmittel, frische, direkte Verarbeitung. Da ist mir auch wurscht, ob das Getreide eigentlich ein Biogetreide ist und im selben Betrieb wie Brathähnchen verarbeitet wird - das Endprodukt soll schliesslich stimmen. In Österreich jedoch ist dies, wie so vieles, genau andersherum.

Na dann, servus.

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